Interview mit Alberto Stival, Präsident pr suisse (Schweizerischer Public Relations Verband)

Ich kenne die Personenzertifikate sehr gut. So hatte ich letztes Jahr selbst die Gelegenheit die SAQ-Zertifizierung für Verwaltungsräte zu erlangen, was für mich eine Bereicherung und eine sehr positive Erfahrung war.

Der frisch gewählte pr suisse-Präsident setzt sich für die Personenzertifizierung in der Kommunikationsbranche ein.

Warum hat sich der PR-Berufsverband pr suisse entschieden, diese Zertifizierungen einzuführen?
Als Verband sehen wir darin eine Chance, um unsere Branche und den entsprechenden Beruf aufzuwerten und gleichzeitig unseren Mitgliedern die Möglichkeit zu geben, ihre Kompetenzen zertifizieren zu lassen. Wir leben im Zeitalter der Kommunikation mit dem zugrundeliegenden Rohstoff Information. Unsere Aktivitäten als Kommunikationsexperten sind deswegen äusserst wichtig und entsprechend ist auch eine hohe Professionalität unumgänglich. Tatsache ist, dass die Komplexität der Kommunikationsberufe oft unterschätzt wird – ein Qualitätsstandard, wie es eine Zertifizierung laut ISO-Norm für die Kommunikationsberater sein kann – soll helfen mehr Transparenz zu schaffen.

Die Kommunikationsbranche kennt ja bereits das eidgenössische Diplom für ihre Fachleute, warum braucht es da noch ein zusätzliches Zertifikat?
Die eidgenössischen Prüfungen – d.h. die Höhere Fachprüfung für erwiesene und erfahrene Kommunikationsspezialisten und die Berufsprüfung für jüngere Fachleute – weisen ein theoretisches und praxisorientiertes Wissen aus und stossen im Markt seit jeher auf eine positive Resonanz. Die Höhere Fachprüfung wird ab 2022 im neuen Kleid, d.h. zusammengelegt mit derjenigen von Kommunikation Schweiz (ks/cs) mit neuer Prüfungsordnung und Wegleitung angeboten und entspricht der Entwicklung der Branche. Beide Weiterbildungen führen zu eidgenössischen Titeln. Mit der SAQ-Zertifizierung hingegen werden persönliche Kompetenzen auf höchstem Beratungsniveau ausgewiesen. Die Personenzertifizierung ist somit nicht die Zertifizierung einer Weiterbildung, sondern von einer persönlichen Fähigkeit Gelerntes, Praktiziertes und Erfahrenes schnell und effizient umzusetzen. Das Bewerbungsdossier besteht aus dem Nachweis von Aus- und Weiterbildungsabschlüssen und dem beruflichen Lebenslauf der Kandidaten. Die Zulassung wird nach einem Punktesystem berechnet und eine Rezertifizierung alle fünf Jahre ist Pflicht.

Welchen Bezug haben Sie persönlich zu den Personenzertifikaten von SAQ?
Ich kenne die Personenzertifikate sehr gut. So hatte ich letztes Jahr selbst die Gelegenheit die SAQ-Zertifizierung für Verwaltungsräte zu erlangen, was für mich eine Bereicherung und eine sehr positive Erfahrung war. Ausserdem durfte ich in den letzten Jahren viele Banken bei der Einführung der Zertifizierung ihrer Kundenberater begleiten. Was ich bei diesen ISO-Zertifizierungen äusserst schätze ist die Nachhaltigkeit des Titels: durch regelmässige Rezertifizierungsmassnahmen wird ein ständiges «Up to Date» verlangt. Dem Inhaber wird somit auch attestiert, dass er immer über das aktuelle Know-how verfügt, dies stellt eine substanzielle Abgrenzung zu traditionellen Lehrgängen dar.

Über alles gesehen, wie verhält sich beim Erwerb eines Zertifikats der Aufwand zum Ertrag?
Es handelt sich um einen sehr fairen trade off. Nehmen wir das Beispiel der PR-Zertifizierung: wer schon seit längerer Zeit in dieser Branche aktiv ist und die oben erwähnten Voraussetzungen erfüllt, sollte die Prüfung ohne grossen Aufwand bewältigen können. Das erlangte Diplom, welches dank der zugrundeliegenden ISO-Norm auch international anerkannt wird, versetzt den Inhaber in einen Senior-Expertenstatus und trägt damit zur eigenen Arbeitsmarktfähigkeit bei.

Das Interview erschien zuerst im Fachmagazin MQ Management und Qualität 07/2020

Alberto Stival

pr suisse-Präsident Alberto Stival ist in Biel/Bienne geboren und im Seeland aufgewachsen. Er schloss sein zweisprachiges Wirtschaftsstudium an der Universität Fribourg ab und ist seit zwanzig Jahren vor allem in der Schweizer Finanzbranche tätig, in den Bereichen Bildung und Kommunikation. Seit 2019 leitet er seine eigene Beratungsfirma und ist Senior Advisor für die Bildungsentwicklung bei Swissbanking sowie Direktor PR & Communication bei Swiss Sustainable Finance.

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